Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Aber es gibt ehrliche und unehrliche.
In PI-01 hast du gelesen, dass Werte auf mindestens drei Wegen entstehen können:
Durch Familie, Erziehung, Gruppe — wir werden geprägt.
Durch eigenes Nachdenken, Dialog, Fragen — wir werden zu Denkenden.
Moralische Intuition — wir spüren es, ohne es begründen zu müssen.
Diese Übung wendet das auf dich an. Jetzt geht es nicht um Theorie, sondern um deine Werte und ihre Herkunft.
Nicht die, von denen du denkst, dass man sie nennen sollte. Sondern die, nach denen du tatsächlich lebst. Das ist nicht immer dasselbe.
Hilfestellung: Denke an eine schwierige Entscheidung, die du in den letzten zwei Jahren getroffen hast. Was hat den Ausschlag gegeben? Welcher Wert war stärker als die anderen?
Schreib für jeden Wert auf:
Was bedeutet er für mich, in einem Satz?
Was bedeutet er für mich, in einem Satz?
Was bedeutet er für mich, in einem Satz?
Für jeden deiner drei Werte: Woher hast du ihn? Sei so ehrlich wie möglich.
Von deinen Eltern, deiner Herkunft — das, was dir «in die Wiege gelegt» wurde.
Was du in der Arbeit, durch Karriere, durch Erfolg und Scheitern gelernt hast.
Du hast die Frage gestellt, bin selbst zu einer Antwort gekommen.
Du hast es im AASR — in Ritualen, in Lehren — erlebt und erkannt.
Glaube, Überzeugung, etwas Grösseres als dich selbst.
Du hast es durchlitten, musste scheitern, um es zu verstehen.
Du kannst mehrere Quellen kombinieren. Zum Beispiel: Familie + Eigenes Nachdenken + Schmerz.
Prüfe für jeden deiner drei Werte: Wie wirklich ist er in deinem Leben?
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Wert | Du bekennst ihn. Du sagst: «Das ist mir wichtig.» Aber du lebst ihn nicht unbedingt. |
| Norm | Du hast eine Regel dazu. Du weisst, wie man sich verhalten sollte. Du verstehst die Regel und willst sie einhalten. |
| Tugend | Du handelst danach, auch wenn es schwierig wird. Besonders dann. Die Tugend zeigt sich im Handeln gegen Widerstände. |
Der Unterschied ist wichtig. Ein Wert kann leer sein. Eine Tugend ist immer echt.
Gibt es einen Wert, den du öffentlich vertrittst, aber privat nicht durchhältst?
Zum Beispiel: Du sprichst von Treue — aber wenn es eng wird, wenn es zum Konflikt kommt, packst du deinen Koffer.
Oder: Du hast Gerechtigkeit gepredigt — aber in der eigenen Familie schaust du weg.
Wenn ja: Warum? Was hindert dich? Ist es Angst? Egoismus? Kräfte, die stärker sind als dein Wille?
Diese Frage musst du nicht in der Gruppe teilen. Aber beantworte sie dir selbst. Der 4° beginnt mit Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Der 4° beginnt mit einem leeren Raum. Dieses Arbeitsblatt ist eine Art persönliches Sanctum Sanctorum: Du betrittst deinen eigenen inneren Raum und schaust, was dort ist. Vielleicht ist es weniger, als du dachtest. Vielleicht ist es mehr. Vielleicht ist es nicht das, was du öffentlich zeigst.
Der 4° sagt: Kein Gehorsam gegen das eigene Gewissen. Aber um das Gewissen zu befragen, muss man wissen, welche Werte dort verankert sind — und woher sie kommen. Diese Übung ist der erste Schritt zu dieser Selbstkenntnis.
Ca. 1/2–1 Seite. Schreib auf: deine drei Werte, woher sie kommen, ob sie Werte/Normen/Tugenden sind.
Die unbequeme Frage musst du nur dir selbst beantworten. Das ist Gewissensarbeit, nicht für fremde Augen.
Textfeld oder PDF-Upload. Frist: bis zur nächsten Konferenz.
Kurz und ehrlich ist besser als lang und diplomatisch. Dieses Arbeitsblatt ist kein Test — es ist eine Einladung zu dir selbst.
Diese Übung ist schwieriger, als sie aussieht. Du fragst nicht einfach nach Werten — du fragst nach dir selbst. Und das erfordert Mut.
PROGRAMM ATELIER BASEL · VERTRAULICH
Doppelhelix-Zuordnung: ⚒️ PRAXIS – Kompetenz L4 (Werteentstehung & Tugendlehre)
Ritualbezug: 4°–8° — Schweigen, Fleiss, Pflicht, Gerechtigkeit, Studium