Gerechtigkeit ist nicht nur eine Frage — sie ist eine Praxis. Dein Argument zeigt, wie du praktizierst.
Diese Übung verbindet zwei Momente deiner Lehrzeit:
Du hast Johabens Dilemma nicht nur gelesen — du hast es gelebt. Dunkelheit, Stimmen, Druck.
Gerechtigkeit nach Rawls, Aristoteles, Utilitarismus. Der Dreifragen-Check. Deine Rüstzeug.
Nicht als Theorie, sondern als dein eigenes begründetes Argument zu einer der drei Fragen.
Die Aufgabe ist einfach. Die Ausführung nicht.
Eine der drei. Nicht alle drei. Eine.
Die Frage, die dich am meisten anzieht, ist die richtige Frage. Vertrau deinem Unbehagen — es zeigt dir, wo dein Lernen beginnt.
Was behauptest du? Sei präzise. Nicht «Es ist kompliziert» — eine klare Position. Ja oder Nein? Gerecht oder ungerecht? Anfang oder Ende?
Warum ist deine These richtig? Mindestens eine der drei philosophischen Positionen aus PI-04 (Rawls, Aristoteles, Utilitarismus) oder den Dreifragen-Check aus PI-05. Kein reines Bauchgefühl.
Das ist die Kernarbeit: Deine Erfahrung (Dunkelheit, NEKAM) trifft auf Philosophie (PI-04/05). Beides muss sichtbar sein.
Welches Argument spricht am überzeugendsten GEGEN deine These? Wenn du keins findest, ist deine These entweder trivial oder du hast nicht genug nachgedacht.
Warum hältst du trotzdem an deiner These fest? Oder hast du sie modifiziert? Was ist stärker: dein Argument oder das Gegenargument?
Dies ist echtes Denken. Nicht Reden — Denken.
Das ist die entscheidende Frage. Ist dein Argument von einer Stimmung geleitet oder von einem Prinzip?
| Stimmung | Prinzip |
|---|---|
| «Es fühlt sich gerecht an» oder «Mein Bauch sagt mir, dass …» | «Nach Rawls' Differenzprinzip …» oder «Der kategorische Imperativ fordert …» |
| Wechselt mit der Laune, mit dem Kontext, mit der Stunde | Bleibt gleich, auch wenn es schmerzt |
| Begeistert, wünscht sich, überredet sich selbst | Hart, ohne Ausreden, ohne Kompromisse |
Sei ehrlich. Der 9° sagt: Salomos Urteil unterscheidet genau hier — zwischen Rache (Stimmung) und Gerechtigkeit (Prinzip).
Diese Struktur ist keine akademische Spielerei. Sie bildet genau den Prozess ab, den der 9° rituell darstellt:
= Johabens Entschluss, zu handeln (Rache, Gerechtigkeit, Pflicht?)
= Die Gründe, die Johaben leiten (seine Logik, seine Prinzipien)
= Salomos Einwand («Wer hat Euch erlaubt…?»)
= Johabens Verteidigung (Notwehr, Eifer, Reue)
= Salomos Urteil: Das entscheidende Kriterium
Im Ritual erlebst du den Prozess als Drama. In dieser Übung durchläufst du ihn als Denker.
Ca. 1 Seite / 300–500 Wörter. Digital über WIX Forms (Textfeld oder PDF-Upload).
Ist die These klar? Wird eine philosophische Position sauber angewandt? Ist das Gegenargument ehrlich — oder ein Strohmann? Wird Stimmung/Prinzip reflektiert — nicht nur behauptet?
Sondern: Qualität der Argumentation. Ein ehrliches, präzises Nein ist besser als ein verschwommenes Vielleicht.
Kurz und ehrlich ist besser als lang und diplomatisch. Dieser Arbeitsblatt ist nicht ein Test — es ist eine Einladung in dein eigenes Denken.
PROGRAMM ATELIER BASEL · VERTRAULICH
Doppelhelix-Zuordnung: ⚒️ PRAXIS – Kompetenz L2 (Logik & Argumentation) + L5 (Ethische Argumentation)
Ritualbezug: 9° Auserwählter der Neun — Johaben, Salomo, NEKAM, Stimmung vs. Prinzip