Jede Handlung hat Betroffene — und deren Perspektive ändert die Bewertung.
In Phase 2 hast du mit dem Dreifragen-Check (PI-05) gelernt, eine Handlung ethisch zu prüfen: Zulässig? Vertretbar? Zweckmässig? Diese Fragen beziehen sich auf die Handlung selbst. Aber jede Handlung hat Betroffene — und deren Perspektive ändert die Bewertung.
Die Stakeholder-Analyse fragt: Wer ist von deiner Entscheidung betroffen — und welche Ansprüche hat er?
Wähle eine Entscheidung, die du in den nächsten Wochen triffst oder kürzlich getroffen hast. Liste alle Personen oder Gruppen auf, die betroffen sind. Denke auch an:
Die Ungeborenen, die Fernsten
Die Machtlosen
Personen, deren Freiheit eingeschränkt wird
Prüffrage: Hast du jemanden vergessen? Denke an: Abwesende, Schweigende, Zukünftige.
Nicht alle Betroffenen haben gleich starke Ansprüche. Gewichte nach drei Kriterien: Wie stark betroffen? (1–5) / Wie verletzlich? (1–5) / Hat Mitsprache? (ja/nein)
Leitprinzip: Wer am stärksten betroffen, am verletzlichsten und die geringste Mitsprache hat, verdient die grösste Aufmerksamkeit. Das ist Jonas' Verantwortungsethik, konkret angewandt.
Wende den Dreifragen-Check nicht aus deiner Perspektive an, sondern aus der des am stärksten betroffenen Stakeholders:
Darf ich das aus Sicht des Betroffenen?
Kann ich das vor ihm rechtfertigen?
Nützt es ihm — oder nur mir?
Pike schreibt im 19°: Der Grosse Pontifex baut Brücken für die, die nach ihm kommen.
Wer ist betroffen? Auch Abwesende und Zukünftige.
Wer verdient die grösste Aufmerksamkeit?
Zulässig, vertretbar, zweckmässig?
Brücke oder Mauer? Was bleibt in 10 Jahren?
Bearbeite die Stakeholder-Analyse schriftlich und bring sie zur Konferenz K4.4 mit.
Du musst die Entscheidung selbst nicht offenlegen. Du kannst die Analyse abstrakt beschreiben. Aber sei ehrlich — vor allem bei Schritt 4.
PROGRAMM ATELIER BASEL · VERTRAULICH
Doppelhelix: ⚒️ LOGOS – Kompetenz L7, L5, L10
Ritualbezug: 19° Grosser Pontifex · 30° Kadosch