Phase 4 · HANDLUNG
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Praxis-Übung PÜ-08 · LOGOS-Strang

Stakeholder-Analyse

Jede Handlung hat Betroffene — und deren Perspektive ändert die Bewertung.

⚒️ Kompetenz L7 L5 · L10 19° · 30° Kadosch Phase 4 HANDLUNG
Von der Handlung zu den Betroffenen

Der Dreifragen-Check reicht nicht

In Phase 2 hast du mit dem Dreifragen-Check (PI-05) gelernt, eine Handlung ethisch zu prüfen: Zulässig? Vertretbar? Zweckmässig? Diese Fragen beziehen sich auf die Handlung selbst. Aber jede Handlung hat Betroffene — und deren Perspektive ändert die Bewertung.

Die Stakeholder-Analyse fragt: Wer ist von deiner Entscheidung betroffen — und welche Ansprüche hat er?

Schritt 1

Betroffene identifizieren

Wähle eine Entscheidung, die du in den nächsten Wochen triffst oder kürzlich getroffen hast. Liste alle Personen oder Gruppen auf, die betroffen sind. Denke auch an:

J
Jonas

Die Ungeborenen, die Fernsten

W
Weber

Die Machtlosen

B
Berlin

Personen, deren Freiheit eingeschränkt wird

Prüffrage: Hast du jemanden vergessen? Denke an: Abwesende, Schweigende, Zukünftige.

Schritt 2

Ansprüche gewichten

Nicht alle Betroffenen haben gleich starke Ansprüche. Gewichte nach drei Kriterien: Wie stark betroffen? (1–5) / Wie verletzlich? (1–5) / Hat Mitsprache? (ja/nein)

Leitprinzip: Wer am stärksten betroffen, am verletzlichsten und die geringste Mitsprache hat, verdient die grösste Aufmerksamkeit. Das ist Jonas' Verantwortungsethik, konkret angewandt.

Schritt 3

Dreifragen-Check mit Stakeholder-Perspektive

Wende den Dreifragen-Check nicht aus deiner Perspektive an, sondern aus der des am stärksten betroffenen Stakeholders:

1
Zulässig?

Darf ich das aus Sicht des Betroffenen?

2
Vertretbar?

Kann ich das vor ihm rechtfertigen?

3
Zweckmässig?

Nützt es ihm — oder nur mir?

Schritt 4

Der Pontifex-Test

Pike schreibt im 19°: Der Grosse Pontifex baut Brücken für die, die nach ihm kommen.

  • Ist deine Entscheidung eine Brücke oder eine Mauer? Öffnet sie Möglichkeiten für andere — oder schliesst sie welche?
  • Wer wird in 10 Jahren von dieser Entscheidung betroffen sein? Falls niemand: Ist die Entscheidung wirklich so wichtig, wie du denkst?
Der vollständige Prozess

Vier Schritte zur ethischen Entscheidung

1
Betroffene identifizieren

Wer ist betroffen? Auch Abwesende und Zukünftige.

2
Ansprüche gewichten

Wer verdient die grösste Aufmerksamkeit?

3
Dreifragen-Check aus Stakeholder-Sicht

Zulässig, vertretbar, zweckmässig?

4
Pontifex-Test

Brücke oder Mauer? Was bleibt in 10 Jahren?

Nächster Schritt

Bring deine Analyse mit

Bearbeite die Stakeholder-Analyse schriftlich und bring sie zur Konferenz K4.4 mit.

Du musst die Entscheidung selbst nicht offenlegen. Du kannst die Analyse abstrakt beschreiben. Aber sei ehrlich — vor allem bei Schritt 4.

PROGRAMM ATELIER BASEL · VERTRAULICH

Doppelhelix: ⚒️ LOGOS – Kompetenz L7, L5, L10

Ritualbezug: 19° Grosser Pontifex · 30° Kadosch

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